Thursday, May 18, 2006

DADA -ZURICH : Emmy HENNINGS


Emmy HENNINGS, 1916


Hans RICHTER, Portrait visionnaire d'Emmy Hennings, 1917


Emmy HENNINGS, 1916

http://www.katz-heidelberg.de/Themen_im_Unterricht/Expressionismus/Jakob_van_Hoddis/Emmy_Hennings/body_emmy_hennings.html


Morfin


Wir warten auf ein letztes Abenteuer
Was kümmert uns der Sonnenschein?
Hochaufgetürmte Tage stürzen ein
Unruhige Nächte - Gebet im Fegefeuer.

Wir lesen auch nicht mehr die Tagespost
Nur manchmal lächeln wir still in die Kissen,
Weil wir alles wissen, und gerissen
Fliegen wir hin und her im Fieberfrost.

Mögen Menschen eilen und streben
Heut fällt der Regen noch trüber
Wir treiben haltlos durchs Leben
Und schlafen, verwirrt, hinüber...


***


Tänzerin


Dir ist als ob ich schon gezeichnet wäre
Und auf der Totenliste stünde.
Es hält mich ab von mancher Sünde.
Wie langsam ich am Leben zehre.
Und ängstlich sind oft meine Schritte,
Mein Herz hat einen kranken Schlag
Und schwächer wird's mit jedem Tag.
Ein Todesengel steht in meines Zimmers Mitte.
Doch tanz ich bis zur Atemnot.
Bald werde ich im Grabe liegen
Und niemand wird sich an mich schmiegen.
Ach, küssen will ich bis zum Tod.


***


Nach dem Cabaret

Ich gehe morgens früh nach Haus.

Die Uhr schlägt fünf, es wird schon hell,

Doch brennt das Licht noch im Hotel.

Das Cabaret ist endlich aus.

In einer Ecke Kinder kauern,

Zum Markte fahren schon die Bauern,

Zur Kirche geht man still und alt.

Vom Turme läuten ernst die Glocken,

Und eine Dirne mit wilden Locken

Irrt noch umher, übernächtig und kalt.

Lieb mich von allen Sünden rein.

Sieh, ich hab manche Nacht gewacht.

***


Gesang zur Dämmerung

für Hugo Ball


Oktaven taumeln Echo nach durch graue Jahre.

Hochaufgetürmte Tage stürzen ein.

Dein will ich sein -

Im Grabe wachsen meine gelben Haare

Und in Holunderbäumen leben fremde Völker

Ein blasser Vorhang raunt von einem Mord

Zwei Augen irren ruhelos durchs Zimmer

Gepenster gehen um beim Küchenbord.

Und kleine Tannen sind verstorbene Kinder

Uralte Eichen sind die Seelen müder Greise

Die flüstern die Geschichte des verfehlten Lebens.

Der Klintekongensee singt eine alte Weise.

Ich war nicht vor dem bösen Blick gefeit

Da krochen Neger aus der Wasserkanne,

Das bunte Bild im Märchenbuch, die rote Hanne

Hat einst verzaubert mich für alle Ewigkeit.

***

Ätherstrophen


Jetzt muß ich aus der großen Kugel fallen.

Dabei ist in Paris ein schönes Fest.

Die Menschen sammeln sich am Gare de l'Est

Und bunte Seidenfahnen wallen.

Ich aber bin nicht unter ihnen.

Ich fliege in dem großen Raum.

Ich mische mich in jeden Traum

Und lese in den tausend Mienen.

Es liegt ein kranker Mann in seinem Jammer.

Mich hypnotisiert sein letzter Blick.

Wir sehnen einen Sommertag zurück...

Ein schwarzes Kreuz erfüllt die Kammer...

***

http://www.dadart.com/dadaisme/dada/020-dada-mouvement.html

http://www.lib.uiowa.edu/dada/archive.html